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Die Situation

Markus Seidel zur Streetwork-Statistik Off Road Kids 2011:

Liebe Freunde, Förderer und Mitstreiter der Off Road Kids Stiftung,

es gibt eine neue Höchstmarke zu vermelden: Zum Jahreswechsel hatten unsere Straßensozialarbeiter in Berlin, Dortmund, Hamburg und Köln den mittlerweile 3219. jungen Menschen erfolgreich aus dem Straßenmilieu heraus in eine tragfähige Perspektive vermittelt. Diese Summe ist bereits um die Zahl der Rückfälle reduziert. Insgesamt haben wir im letzten Jahr 321 Minderjährigen und jungen Volljährigen helfen können, der Straße den Rücken zu kehren. Damit ist die Dimension seit 2009 auf hohem Niveau stabil.

Erfreulicherweise wirkt die Straßensozialarbeit in Dortmund, Hamburg und Köln bis nach Berlin: Dort geht die Zahl der auswertigen, obdachlosen jungen Menschen stetig zurück. Allerdings erkennen wir auch, dass diejenigen, die letztlich doch noch in Berlin stranden, zu den heftigsten „Fällen“ gehören und entsprechend großen Arbeitsaufwand verursachen.

Wie im Vorjahr benötigen wir derzeit durchschnittlich nur noch 90 Bruttoarbeitsstunden, um einen jungen Menschen sinnvoll unterzubringen. Einen sehr großen Anteil (bis zu 50 Prozent) an der insgesamt aufgewendeten Arbeitszeit verursacht die Nachbetreuung bereits vermittelter junger Menschen. Diese Nachsorge ist sinnvoll, um erreichte Perspektiven dauerhaft zu stabilisieren. Zur Nachbetreuung gehören auch zahlreiche Behördengänge, bei jungen Volljährigen sehr häufig die Schuldenklärung und die Hilfe bei der Arbeitssuche. An allen Standorten arbeiten wir daher sehr eng mit den Arbeitsämtern (ARGE, Jobcenter) zusammen und sind erschreckend häufig deren verlängerter Arm, ohne den die jungen Volljährigen nicht für die Arbeitsvermittlung greifbar wären. Das erklärt auch die mehr als 5000 Betreuungstermine unserer Streetworker im letzten Jahr.

Aus der beiliegenden Jahresstatistik gehen die aufgeführten Ergebnisse in der Nüchternheit der Zahlen hervor. Wir sollten nicht vergessen, dass hinter jedem einzelnen betreuten jungen Menschen ein mitunter kaum vorstellbares persönliches Schicksal steht. Da mag es nicht verwundern, dass andere Organisationen, Institutionen und auch ältere Obdachlose auf uns verweisen und unsere Streetworker den jungen Menschen als „letzte Hoffnung“ empfehlen. Das geschieht inzwischen häufiger, als unsere Streetworker selbst Jugendliche und junge Erwachsene im Straßensumpf entdecken. Auch das ist ein achtbares Ergebnis.

Mit herzlichen Grüßen


MarkusSeidel
Vorstandssprecher

Einzelschicksale

Bis zu 2500 Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren geraten in Deutschland jährlich auf die Straße. Etwa dreihundert davon trifft das Schicksal hart: Sie werden zu Straßenkindern, die vor Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch geflohen sind und ihr Überleben mit Bettelei, Prostitution oder Kleindiebstahl sichern müssen. Zwar ist dies angesichts von mehr als 80 Millionen Menschen hierzulande eine verschwindend geringe Anzahl an Einzelschicksalen, wohl aber Anlass, tätig zu werden. Die meisten sind 13 Jahre und älter. Es sind ebenso viele Mädchen wie Jungen. Viele kommen aus ländlichen Gebieten und suchen die Anonymität der Großstädte. Dennoch: Sie träumen von Normalität und Geborgenheit. Sie sind häufig unauffällig, stammen aus allen Gesellschaftsschichten und finden sich keineswegs nur unter bunthaarigen Punks. Sie möchten wieder zur Schule gehen oder eine Ausbildung beginnen.

23.01.2012

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