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Dr. Gunilla Fincke ist Politikwissenschaftlerin und Geschäftsführerin des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration.
MerkenDie „Firma“ Deutschland hat Personalprobleme. Dies zeigt ein Informationspapier des SVR1
Jährlich wandern Zehntausende von oft gut qualifizierten Deutschen im besten Erwerbsalter ab, nur ein Teil von ihnen kehrt zurück. Seit 2003 hat Deutschland unter Berücksichtigung der Rückwanderung knapp 200.000 Staatsangehörige an andere OECD-Staaten abgegeben. Und auch unter den qualifizierten Zuwanderern der zweiten Generation spielt ein erheblicher Anteil mit dem Gedanken, Deutschland zu verlassen.
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den Medizinern: Allein 2008 sind über 3.000 Ärzte ins Ausland abgewandert. Nach einer vom SVR in Auftrag gegebenen Studie des ifo Instituts betragen die fiskalischen Kosten über eine Million Euro pro Arzt. Unter der vorsichtigen Annahme, dass nur ein Drittel der abwandernden Ärzte dauerhaft im Ausland bleibt, entgehen dem deutschen Staat allein für diese Abwanderergruppe des Jahres 2008 knapp 1,1 Milliarden Euro.
Abwanderung wird dann zum Problem, wenn ihr keine qualifizierte Zuwanderung gegenübersteht. Der Anteil Hochqualifizierter an der Zuwandererbevölkerung ist in Deutschland jedoch niedriger als in fast allen anderen OECDStaaten. Migration führt somit nicht zum Anstieg, sondern zur Reduktion des Qualifikationsniveaus der Bevölkerung.
In der Wirtschaftskrise rückt dieses Problem in den Hintergrund, dabei sollten gerade jetzt die Weichen richtig gestellt werden, um am Ende der Krise nicht von den Problemen eingeholt zu werden, die schon zuvor Wachstum und Beschäftigung gebremst haben. Denn Zuwanderung lässt sich nicht kurzfristig ein- oder ausschalten, und Deutschland bedarf grundsätzlich gesteuerter Zuwanderung.
Der SVR ist aufgrund seiner Unabhängigkeit (auch von der Tagespolitik) für eine kritische Aufarbeitung solcher Themen besonders geeignet. Konkreten „personalpolitischen“ Handlungsbedarf sieht der SVR in folgenden Bereichen:
Reformen im Zuwanderungsrecht sind „personalpolitisch notwendig“, aber nicht hinreichend.
Reformbedarf besteht auch jenseits von Zuwanderungsfragen. Bildungspolitisch musslebenslanges Lernen gefördert und die Selektivität des deutschen Bildungssystems, die zu einer Vererbung sozialer Startnachteile führt, abgebaut werden. Insgesamt ist damit auch ein kritischer Blick auf die Strukturen Deutschlands nötig. Entsprechen sie den Anforderungen an eine moderne, plurale Gesellschaft, die ihrer Verantwortung in einer globalisierten Welt gerecht werden und ihre Standards (auch der sozialen Sicherung) erhalten will?
19.04.2010
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