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Algorithmen und Aristoteles

2. November 2016

Algorithmen und Aristoteles

Ein neues Buch diskutiert, wie Roboter und künstliche Intelligenz die Arbeitswelt von morgen verändern und wie das Bildungswesen bereits heute darauf reagieren sollte.

Düsseldorf/Berlin, 02.11.2016. Die digitale Transformation verändert Wirtschaft und Arbeitsmarkt so tiefgreifend wie der Klimawandel die Natur. In einem neuen Buch der Vodafone Stiftung erläutern international führende Experten, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt haben wird, und wie die Menschen in Deutschland auf diese Herausforderung vorbereitet werden sollten. „Niemand kann die Zukunft vorhersehen, aber wir dürfen auch nicht mit zugehaltenen Augen darauf zutreiben“, so Stiftungsgeschäftsführer Mark Speich. Vielmehr, so Speich weiter, müsse man frühzeitig versuchen, den digitalen Wandel zu verstehen, um mögliche Risiken für Jobs und Beschäftigung abzufedern und neue Chancen gerade für mögliche Verlierer dieser Entwicklung zu schaffen. Die Bundesregierung hat unter Ägide von Bildungsministerin Wanka eine digitale Bildungsstrategie vorgelegt, und erarbeitet gerade unter Federführung von Arbeitsministerin Andrea Nahles eine Strategie für die Zukunft der Arbeitsgesellschaft. Genau solche Bemühungen der Politik sollen durch die in dem Buch zusammengestellten Erkenntnisse unterstützt werden.

So gibt gleich zum Auftakt des Buches der weltweit renommierte Spezialist für Robotik und Automatisierung, Ken Goldberg von der Universität Berkeley, einen Überblick darüber, welche technologischen Umwälzungen heute bereits im Gange sind und wie sie sich künftig wahrscheinlich weiterentwickeln werden. Welche Konsequenzen dies für die Berufswelt haben kann, erläutert anschließend der Oxford-Ökonom Carl Benedikt Frey, der eine der weltweit am meisten beachteten Studien zu diesem Thema miterstellt hat. Demgegenüber steht dann ein vertiefender Blick auf die Situation speziell in der Bundesrepublik – vom Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Joachim Möller. Doch was bedeuten all diese Veränderungen in der Wirtschaft von morgen für die Bildung von heute? Wie lassen sich gerade jüngere Menschen auf die Arbeitswelt der Zukunft vorbereiten?

Eine umfassende Antwort darauf versucht Stephen Spurr zu geben, der jahrzehntelang seinen Schülern an den besten Schulen Englands eine universale Bildung angedeihen ließ und heute ein weltumspannendes Schulnetzwerk berät. Seine Gedanken werden aus zwei völlig unterschiedlichen Richtungen ergänzt: Fiona Brunks und Pantelis Pavlakidis  Einblick in die tägliche Realität der Berliner Quinoa-Schule zeigt, wie sich die Digitalisierung bereits heute auf die Schüler auswirkt und wie deren Lehrer alles daransetzen, sie auch mit einfachen Mitteln auf ihren weiteren Bildungsweg vorzubereiten. Jenseits der klassischen Bildungswege gibt es jedoch auch noch den Pfad der eigenen Unternehmensgründung, auf den sich Innovationsexperte Stephan Gutzeit konzentriert und dabei mehr Förderung für den kreativen Wissens-Entrepreneur fordert.

Die unterschiedlichen Erkenntnisse, die in diesem Buch zusammengetragen werden, laufen auf ein Bildungsprogramm hinaus, das sich nicht auf die Förderung von MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) verkürzen lässt. Dieser Gedanke wird im Ausblick vom Geschäftsführer der Vodafone Stiftung Deutschland, Mark Speich, vertieft. Technologische Kompetenzen vom versierten Umgang mit digitalen Medien bis hin zum Grundverständnis für Algorithmen werden zweifellos wichtiger. Zugleich muss Bildung dem Menschen jedoch auch noch stärker das vermitteln, was ihm kein Computer abnehmen kann – beispielsweise geistige Offenheit, Orientierungswissen, kritisches Urteilsvermögen, Selbstdisziplin, Kreativität und Empathie.