19. Mai 2026
#SpotlightOnEdTechs
Innovation in der digitalen Bildungslandschaft

„Digitale Bildung ist der Schlüssel zur Teilhabe an einer digitalen Welt. EdTechs können wie kaum andere Innovationen im Bildungsbereich, vor allem im Bereich der digitalen Bildung, vorantreiben.“
Aber was genau sind eigentlich EdTechs?
Diese Frage wollen wir in den kommenden Wochen beantworten, indem wir in die Welt von Start-Ups eintauchen, die sich – genau wie wir bei der Vodafone Stiftung Deutschland – mit digitaler Bildung auseinandersetzen und eine besondere Leidenschaft für Bildung und Innovationen im Bildungssektor haben.
Mit unserer Beitragsserie #SpotlightOnEdTechs stellen wir ausgewählte Jungunternehmen vor, die sich für die Förderung von Innovation im deutschen Bildungssystem einsetzen.
Wir möchten aufzeigen, welche positiven Einflüsse diese Unternehmen auf das Bildungswesen in Deutschland haben können. Dabei hat jeder der Ansätze das Potenzial, die Bildung in Deutschland nachhaltig zu verbessern und zu bereichern.
Also: Vorhang auf und #Spotlight an!
Heute stellen wir PIAS education vor:

Stellt euch bitte in drei Sätzen vor! Welche Bildungsbereiche oder Lernziele spricht euer Unternehmen mit eurer adaptiven Lern- und Diagnostiksoftware an?
PiAS education ist ein EdTech-Unternehmen, das mit PiAS Lernreise eine evidenzbasierte, digitale Lernanwendung für Vorschul- und Grundschulkinder mit integriertem Screening-Modul entwickelt. Die Anwendung basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Medienpsychologie und Bildungsforschung, passt sich adaptiv an den individuellen Lernstand an und macht diesen sichtbar. Dabei stärkt sie gezielt die Vorläuferfähigkeiten für das spätere Lesen, Schreiben und Rechnen und unterstützt pädagogische Fachkräfte, individuelle Förderung passgenau auszurichten – als Grundlage für einen bildungsgerechten Schulstart.
Welche konkreten Veränderungen oder Verbesserungen in der frühkindlichen Bildungslandschaft möchtet ihr mit eurer Lösung bewirken?
Wir möchten die frühkindliche Bildungslandschaft in drei zentralen Dimensionen weiterentwickeln:
- Erstens stärken wir mit PiAS Lernreise gezielt die Vorläuferfähigkeiten von Kindern für das spätere Lesen, Schreiben und Rechnen. Gut entwickelte sprachliche und mathematische Basiskompetenzen sind nachweislich entscheidend für den zukünftigen Bildungserfolg. Unser Ziel ist es, dass alle Kinder – unabhängig von ihrer familiären Herkunft – gut vorbereitet auf ihren Bildungsweg starten.
- Zweitens setzen wir auf eine konsequente Individualisierung von Lernprozessen. Jedes Kind bringt unterschiedliche Voraussetzungen mit und genau hier sollte gute Förderung anknüpfen. Durch adaptive Lernangebote und Einblicke in den Lernstand wird jedes Kind auf der Kompetenzstufe abgeholt, auf der es steht und entwickelt sich darauf aufbauend kontinuierlich weiter.
- Drittens soll Lernen Freude machen. Unser Ansatz ist bewusst spielbasiert – wir möchten einen motivierenden, altersgerechten Einstieg in die Bildungsbiografie der Kinder ermöglichen.
In der Verbindung aus individueller Förderung begleitet von wissenschaftlichem Screening, klaren Bildungszielen und motivationserhaltender Adaptivität sehen wir einen zentralen Hebel für mehr Qualität und Bildungsgerechtigkeit im frühkindlichen Bereich.
Wie seht ihr die Rolle von Technologie, insbesondere datenbasierter Analyse, bei der Transformation von Lernen im Kita- und Grundschulbereich?
Technologie kann Lernen individueller und wirksamer gestalten und damit einen echten Unterschied in der Bildung machen. Entscheidend ist, dass datenbasierte Analysen von Lernständen und darauf abgestimmte Bildungsangebote pädagogisch und didaktisch sinnvoll eingesetzt werden.
Sie ermöglichen es, den Lernstand von Kindern sichtbar zu machen, Förderung gezielt anzupassen und insbesondere den Übergang von der Kita in die Schule kontinuierlich zu begleiten – ein zentraler Schlüssel für mehr Bildungsgerechtigkeit.
Gleichzeitig erfordert dies einen sensiblen Umgang, um Stigmatisierung vorzubeugen. Unser Ansatz ist daher bewusst ressourcenorientiert: Wir denken nicht in Defiziten, sondern in Entwicklungschancen. Die differenzierte Einschätzung von Teilkompetenzen bildet die Grundlage, um jedes Kind passgenau dort abzuholen, wo es steht und seine individuellen Potenziale bestmöglich zu entfalten.
Welche Vorteile bietet eure spielerische, adaptive Lernsoftware im Vergleich zu traditionellen Beobachtungs- und Fördermethoden in der frühen Bildung?
Die spielerische und adaptive Lernanwendung PiAS Lernreise bietet gegenüber traditionellen Beobachtungs- und Fördermethoden mehrere entscheidende Vorteile:
Zum einen ermöglicht das PiAS-Screening eine kontinuierliche und objektive Erfassung von Lernständen. Während Beobachtungen im Alltag oft punktuell und subjektiv sind, werden Lernfortschritte hier systematisch und objektiv über längere Zeiträume hinweg sichtbar gemacht.
Ein weiterer entscheidender Vorteil liegt in der engen Verzahnung von Screening und Förderung. Die Ergebnisse des Screenings ergänzen und erweitern Beobachtungen der pädagogischen Fachkräfte. Sie liefern wertvolle Informationen für die Vorschul- und Förderarbeit.
Nicht zuletzt entlastet die Software pädagogische Fachkräfte im Alltag, indem sie kontinuierlich Einblicke in den Lernstand der Kinder liefert und daraus konkrete, alltagstaugliche Förderimpulse ableitet. Fachkräfte können so ihre Beobachtungen ergänzen und einordnen, Entwicklungsverläufe besser verstehen und Förderangebote passgenau ausrichten.
Das Team von PIAS education:

Welche Herausforderungen begegnen euch aktuell in der EdTech-Branche, insbesondere im Bereich frühkindliche Bildung, und wie geht ihr damit um?
Vorbehalte gegenüber digitalen Anwendungen begegnen uns immer wieder – insbesondere, je jünger die Kinder sind. Auch das Thema Datenverarbeitung wird häufig kritisch hinterfragt. Beides haben wir von Anfang an mitgedacht: Unsere Anwendung ist DSGVO-geprüft und erfüllt die hohen Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit.
Zudem begegnen wir diesen Vorbehalten mit wissenschaftlicher Evidenz: Internationale Studien zeigen, dass Vorschulprogramme, die gezielt Vorläuferfähigkeiten stärken, sich positiv auf das spätere Lesen-, Schreiben- und Rechnenlernen auswirken – und dass auch digitale Programme hierbei wirksam unterstützen können.
Gleichzeitig sehen wir den großen Mehrwert digitaler Anwendungen in ihrer Fähigkeit, Lernen individuell zu gestalten. Durch interaktive und adaptive Formate können Kinder genau dort abgeholt werden, wo sie stehen, und passgenau in ihren Kompetenzen unterstützt werden – insbesondere im Vorschulalter, in dem Kinder noch nicht selbst lesen oder schreiben können. Interaktives, auditives und selbstbestimmtes Lernen wird so möglich, ohne dass eine durchgehende 1:1-Betreuung erforderlich ist. So entsteht ein niedrigschwelliger Zugang zu Förderung, der sich gut in den Alltag integrieren lässt und pädagogische Fachkräfte sinnvoll entlastet.
Wie könnte eine stärkere Zusammenarbeit zwischen EdTech-Unternehmen wie PiAS education und politischen Akteuren dazu beitragen, digitale Bildung in Kitas und Grundschulen zu verbessern?
Eine stärkere Zusammenarbeit von EdTech-Unternehmen und politischen Akteuren würde digitale Bildung nachhaltig voranbringen. Aktuell gibt es strukturell noch Hürden zu überwinden, insbesondere für Kitas, die offen für digitale Lernanwendungen sind. Hier bräuchte es über alle Bundesländer hinweg verlässliche Förderstrukturen und Rahmenbedingungen, die den Weg für innovative Lösungen öffnen.
Zudem ist eine stärkere Fokussierung seitens der Politik in Richtung gelingender Übergang von der Kita in die Grundschule wichtig, um bestehende Chancen besser zu nutzen. Datenbasierte Lösungen wären hier ein Ansatz, um Lernstände zu erfassen und an die nächste Bildungsebene weiterzugeben – ein großes Potenzial für passgenaue Förderung von Anfang an.
Für uns als evidenzbasiert agierendes EdTech-Unternehmen steht immer die Evaluation mit im Zentrum unserer Arbeit. In unserer Vorstellung müssen digitale Anwendungen ihre Wirksamkeit nachweisen, um nachhaltig im Bildungsalltag verankert zu werden. In dieser Verbindung aus Praxis, Technologie, Evaluation und politischer Unterstützung liegt ein entscheidender Schlüssel für mehr Bildungsgerechtigkeit.
Welche Unterstützung oder Ressourcen (z. B. Zugang zu Bildungseinrichtungen, Förderprogramme, Netzwerke) würden euch helfen, eure Lösung weiterzuentwickeln und zu skalieren?
Für PiAS education lassen sich vier zentrale Faktoren benennen, die entscheidend sind, um unsere Lösung in die breite Anwendung zu bringen und gleichzeitig Innovation nachhaltig voranzutreiben:
- Erstens ist ein erleichterter Zugang zu Kitas und Grundschulen essenziell. Aktuell sind Entscheidungs- und Budgetprozesse – insbesondere bei kommunalen Trägern – oft langwierig und komplex. Selbst wenn Interesse und Überzeugung vorhanden sind, verzögert sich der Einsatz durch mehrjährige Haushalts- und Abstimmungsprozesse. Klare Zuständigkeiten und schnellere, flexiblere Budgetzuweisungen könnten hier einen großen Unterschied machen, um Innovationen schneller in die Praxis zu bringen.
- Zweitens braucht es weniger bürokratische Hürden sowie gezielte Förderprogramme, die Einrichtungen befähigen, innovative Lösungen niedrigschwellig zu erproben. Solche Programme wirken als wichtiger Türöffner – für Kitas und Schulen ebenso wie für EdTech-Unternehmen.
- Drittens sind Pilotstudien in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Praxis zentral. Sie ermöglichen es, Bildungsangebote passgenau zu entwickeln, diese evidenzbasiert weiterzuentwickeln und ihre Wirksamkeit systematisch zu evaluieren.
- Viertens spielen starke Netzwerke zwischen Bildungseinrichtungen, Wissenschaft, Trägern und Politik eine entscheidende Rolle, um erfolgreiche Ansätze schneller zu verbreiten und nachhaltig im System zu verankern.
Über allem steht der Wirksamkeitsnachweis: Langfristig sollten sich nur die Lösungen durchsetzen, die nachweislich einen echten Mehrwert für die Bildung leisten.
Welche Rolle spielen Künstliche Intelligenz oder maschinelles Lernen in eurer Software, insbesondere bei der Analyse von Entwicklungsständen und der individuellen Förderung von Kindern?
In PiAS education setzen wir uns seit Beginn unserer Entwicklung sehr bewusst mit der Rolle von Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen auseinander. Aktuell basiert unsere Anwendung jedoch nicht auf maschinellem Lernen, sondern auf einem klar definierten, regelbasierten adaptiven Algorithmus, der den Lernfortschritt der Kinder analysiert und die Inhalte entsprechend steuert. Dieses Vorgehen ermöglicht eine transparente, nachvollziehbare und pädagogisch kontrollierbare Anpassung an den individuellen Lernstand.
Gerade im Bereich der frühen Bildung halten wir diesen Ansatz für besonders sinnvoll. Der Einsatz von KI ist hier nicht nur technisch, sondern auch gesellschaftlich sensibel: Vorbehalte gegenüber digitalen Anwendungen sind ohnehin vorhanden und könnten durch den Einsatz von KI zusätzlich verstärkt werden. Deshalb setzen wir bewusst auf eine adaptive Logik, die individuell fördert, ohne dabei intransparent zu wirken oder Vertrauen zu gefährden.
Bei einer Weiterentwicklung für die Grundschule ist der Einsatz von KI für uns ein nächster Schritt, der sorgfältig diskutiert und abgewogen werden muss. Hier sehen wir großes Potenzial: Datenanalysen können differenzierter genutzt werden, um Lernprozesse noch besser zu verstehen und Lernangebote passgenauer, effizienter und motivierender zu gestalten. Individuelle Stärken und Förderbedarfe könnten präziser erkannt und Lernwege dynamisch angepasst werden.
Für uns ist entscheidend, dass der Einsatz von KI immer pädagogisch sinnvoll, transparent und verantwortungsvoll erfolgt. Technologie soll die individuelle Förderung verbessern und Lehrkräfte unterstützen – nicht ersetzen.
Welche zukünftigen Entwicklungen oder Erweiterungen plant ihr für eure Plattform, und welche neuen Funktionen oder Projekte können wir erwarten?
Für PiAS education planen wir aktuell insbesondere im Vorschulbereich eine stärkere Verzahnung von digitalen und analogen Lernangeboten. Dazu gehören ergänzende Spiele für den Einsatz in Gruppen oder in der Einzelförderung sowie Materialien für pädagogische Fachkräfte, um gezielt mit Kindern über Sprache, Zahlen und Mengen ins Gespräch zu kommen und Lernimpulse zu vertiefen.
Ein weiterer zentraler Entwicklungsschritt ist für dieses Jahr die Konzeption einer Grundschullösung. Ausgehend von konkreten Rückmeldungen aus der Praxis – insbesondere von Grundschullehrkräften – sehen wir hier einen klaren Bedarf und verstehen dies als nächsten konsequenten Schritt für PiAS. Ziel ist es, an die im Vorschulbereich entwickelten Kompetenzen anzuknüpfen und den Übergang in die Schule noch besser zu begleiten.
Dabei setzen wir auf eine enge Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Praxis, um eine Lösung zu entwickeln, die didaktisch fundiert, praxistauglich und evidenzbasiert ist. So schaffen wir eine durchgängige Lern- und Förderkette vom Vorschulalter bis in die Grundschule.
Über die Vodafone Stiftung Deutschland
Die Vodafone Stiftung setzt sich für gute Bildung in einer zunehmend digitalen Welt ein, die auf die individuellen Talente und Fähigkeiten der Schüler:innen eingeht und Lehrkräfte für einen digitalen Unterricht befähigt. Die Stiftung engagiert sich für die Vermittlung von 21st Century Skills und eine bessere Nutzung der digitalen Chancen, um Lehren und Lernen auf eine neue Stufe zu heben und mehr Bildungsgerechtigkeit zu schaffen. Dazu unterstützen wir die innovativen Kräfte im Bildungswesen und arbeiten konstruktiv an strukturellen Reformen des Bildungssystems mit.www.vodafone-stiftung.de