studY-Programm

studY ist ein neuer Ansatz in der deutschen Universitätslandschaft, der die Lehramtsstudierenden von heute zu Gestaltern der Schule von morgen machen will.

Das studY-Programm soll nachhaltige Impulse für mehr Bildungsgerechtigkeit auf verschiedenen Ebenen des Bildungssystems setzen. Im Kern steht dabei die Verknüpfung zukunftsweisender Schulpraxis mit innovativer Hochschullehre.

Das deutsche Bildungssystem hat viele „Baustellen“. Der Bildungserfolg hängt nach wie vor wie in fast keiner anderen Industrienation so eng mit der familiären Herkunft zusammen wie in Deutschland. Nur langsam beginnt der notwendige Transformationsprozess weg vom selektiven Schulsystem mit möglichst homogenen Lerngruppen hin zu einer Pädagogik der Vielfalt. Und die Hälfte aller befragten Lehrerinnen und Lehrer in einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach gaben an, dass sie das Lehramtsstudium nur unzureichend auf die Berufspraxis vorbereitet hat (vgl. Vodafone Stiftung Deutschland 2012, 25).

Allein diese Aspekte sind alarmierend: Sie führen zu immer gravierenderen sozialen Spaltungen, der immer stärkeren Herausbildung einer ‚Risikogruppe‘ ohne qualifizierende Bildungsabschlüsse sowie die zunehmende Überforderung pädagogischer Fachkräfte angesichts der deutlichen Zunahme von Heterogenität in den Klassenzimmern.

Es gibt jedoch manche Schulen in Deutschland, die den Herausforderungen unserer Zeit bereits konstruktiv und erfolgreich begegnen. Hier findet man eine Schulpraxis, die im Rahmen einer wertschätzenden Beziehungskultur und unterschiedlichsten Lerngelegenheiten den bestmöglichen Bildungserfolg aller Schülerinnen und Schüler anstrebt.

Im studY-Programm werden diese Schulen als Lern- und Handlungsfeld für Lehramtsstudierende geöffnet – damit die jungen Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger der Zukunft besser gewappnet den großen Herausforderungen begegnen können.

Neu ist ebenfalls der Gedanke, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern als Experten in Bildungsfragen zu betrachten. Dies gibt Studierenden die Möglichkeit, ihr Lehrerhandeln zu reflektieren und somit weiter zu entwickeln.

Die Studierenden des studY-Programms durchlaufen verschiedene Elemente, im Rahmen derer sie neuartige Praxiserfahrungen sammeln und diese im Kontext aktueller Diskurse in den Bildungswissenschaften reflektieren.

Lehr- und Lern-Veranstaltung im Team-Teaching    
Eine Schul- und eine Hochschullehrkraft bieten gemeinsam eine Veranstaltung an der Universität/Pädagogischen Hochschule zu Fragen des Lehrerhandelns an. Somit gelingt die Etablierung qualitativ hochwertiger, langfristig tragfähiger Theorie-Praxis-Verzahnungen sowie eine Weiterentwicklung der Hochschullehre in Richtung studierendenorientierte und vielfaltbewusste Lehr- und Lernformat.

Selbsterkundungen
Studierende werden zu berufsbiographischen und professionsbezogenen Reflexionen angeregt. Sie überprüfen sich selbst dabei hinsichtlich folgender Fragestellungen: Wie ist mein Wunsch, LehrerIn zu werden, zustande gekommen und was hat sich daran verändert? Welche Fähigkeiten benötigt eine Lehrkraft und wie passt das zu meinen eigenen?

Interessegeleitete Hospitationen
Studierende besuchen zukunftsweisende Schulen und verfolgen dabei diejenigen Fragestellungen, für die sie sich interessieren. Innovative Unterrichtsmethoden und -strukturen werden so erfahr- und reflektierbar.

Schülerinnen und Schüler als Expertinnen und Experten
Studierende treten mit SchülerInnen auf Augenhöhe in einen Austausch zu der Frage, was erfolgreiches Lernen ist und wie dies gelingen kann. Die Kinder und Jugendlichen geben den Studierenden Empfehlungen mit, wie sie beim Lernen am besten unterstützt werden können.

Schülerinnen und Schüler in Aktion
Studierende haben die Aufgabe, SchülerInnen bei der Planung und Durchführung einer Aktion zu unterstützen. Wichtig ist hierbei, dass die Studierenden beraten, begleiten und moderieren – und nicht vorgeben, ‚wie man es richtig macht‘.

Eltern als BildungspartnerInnen    
Studierende kommen mit Eltern zu Fragestellungen rund um das Thema Bildung ins Gespräch, wobei ihnen zum einen die Vielfalt von Eltern-Perspektiven deutlich wird. Zum anderen sollen Reflexionsprozesse dahingehend angeregt werden, dass Eltern wichtige Kooperationspartnerinnen und -partner für LehrerInnen sind.

Ein mehrschrittiger Prozess gewährleistet im studY-Programm so eine intensive Praxislernerfahrung.

Das studY-Programm soll in den nächsten drei Jahren an der Universität Duisburg-Essen erprobt werden. Dazu greift studY auf die Erfahrungen des ersten Durchlaufs, gefördert durch die Stiftung Mercator sowie die Vodafone Stiftung (Sommersemester 2015 bis Wintersemester 2015/16), zurück. Im Verlauf des Projekts soll das studY-Programm so weiterentwickelt werden, dass eine Ausweitung auf andere Standorte möglich ist. 

Wirkungen und Evaluation
EDUCATION Y – Bildung. Gemeinsam. Gestalten. e.V. hat eine Fachstelle Wirkungsorientierung, die mithilfe des eigens für den sozialen Bereich entwickelten Tools Outcome Reporting das studY-Programm während der gesamten Laufzeit begleitet. Damit soll dabei die Wirkung auf der Ebene der Studierenden, der Hochschule und der zukunftsweisenden Schulen erfasst und damit die Grundlage für eine wirkungsorientierte Steuerung des Programms gelegt werden. Mit dem studY-Programm sollen folgende Outcomes erreicht werden: 

Lehramtsstudierende 

  • Kompetenzzuwächse in den Bereichen Unterrichten, Erziehen und Innovieren gemäß der Standards für die Lehrerbildung (vgl. KMK 2004)
  • nachhaltige Reflexionsprozesse zu Fragen der Haltung im Kontext des Perspektivwechsels vom traditionellen Unterrichten zum kompetenten Umgang mit Vielfalt
  • Erfahrungen in der Rolle der/s LehrerIn als Regisseur des Lernens und Förderung des selbstgesteuerten Lernens der SchülerInnen.

Hochschule  

  • Weiterentwicklung der Hochschullehre in Richtung studierendenorientierte und vielfaltbewusste Lehr- und Lernformate
  • Etablierung qualitativ hochwertiger, langfristig tragfähiger und regional bedeutsamer Theorie-Praxis-Verzahnungen
  • Vernetzung mit zukunftsweisenden Schulen als Ort innovativer Lehr- und Lernpraxis und Forschungsfeld.

Auch auf Ebene der kooperierenden Schulen wird eine positive Wirkung durch das studY-Programm erwartet. So profitieren die Schulen von der engen Kooperation mit der Universität und bekommen die Möglichkeit, sich in einem Netzwerk herausragender Schulen zu Fragen der Schulentwicklung auszutauschen.

Die Methode forscht nach den Gelingensbedingungen für die Programmpraxis und Effekten auf Ebene der Studierenden, der Hochschule, Schulen und Schülern und versteht sich als partizipative Evaluationsmethode. Gleichzeitig ist sie die Grundlage für eine wirkungsorientierte Steuerung des Programms.

Weitere Informationen finden Sie unter www.education-y.de