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Schule bremst wissbegierige Lehrer aus

16. März 2017

Schule bremst wissbegierige Lehrer aus

Eine neue Umfrage zeigt, dass die Weiterbildung von Lehrern oft nicht genügend gefördert wird 

Düsseldorf/Berlin, 16.03.2017. Lehrer haben Freude an der Auseinandersetzung mit neuen Themen und sehen Lernen als entscheidend für ihren Beruf an, aber ihre Weiterbildungsbemühungen werden an den Schulen oft nicht genug unterstützt. So schätzten in einer Lehrer-Umfrage der Vodafone Stiftung Deutschland lediglich drei Prozent der Befragten die Lernkultur an ihrer Schule als gut oder sehr gut ein. Nur ein gutes Viertel (27 Prozent) der befragten Lehrer findet, dass Weiterbildung, Innovationsfähigkeit und Lernen gelebte Werte an ihrer Schule sind und nicht einmal jeder Dritte (31 Prozent) meint, dass Lernen an seiner Schule auch bedeutet, Fehler machen zu dürfen. Darüber hinaus stoßen Lehrer häufig an organisatorische Grenzen: Mehr als der Hälfte (52 Prozent) fällt es schwer, das Lernen in ihre Arbeitszeit zu integrieren und nur 12 Prozent werden in Fortbildungsfragen durch ihre Vorgesetzen beraten. Gleichzeitig wird klar, dass es relativ wenig Anreize zur Weiterqualifizierung gibt: Die Mehrheit der Lehrkräfte (70 Prozent) gibt an, keine Auswirkungen auf ihre berufliche Zukunft zu befürchten, wenn sie sich nicht fortbilden.

Gerade angesichts des digitalen Wandels seien die Weiterbildungsanforderungen an Lehrerinnen und Lehrer nicht „nebenbei“ zu bewältigen, kommentiert die erfahrene Schulberaterin und Schulinspektorin Anke Kliewe. Sie sieht es als notwendig an, einen Teil der Arbeitszeit von Lehrkräften explizit als Fortbildungs- und Lernzeit vorzusehen – und damit der Weiterbildung eine zentralere Rolle an Schulen zu geben.

Digitale Lernformate haben sich bei Lehrern noch nicht durchgesetzt

Zwar sehen immerhin zwei Drittel (65 Prozent) der Lehrer den Computer und neue Medien als wesentliche Bereicherung ihrer beruflichen Lernprozesse an, aber andere Berufsgruppen sind hier schon deutlich routinierter. In einer parallel durchgeführten Befragung von Beschäftigten unterschiedlichster Branchen gab die überwiegende Mehrheit (92 Prozent) an, der sichere Umgang mit Computern sei eine notwendige Voraussetzung, um sich weiterzubilden. Bei den befragten Lehrern sagte dies jedoch nur gut die Hälfte (55 Prozent).

Allerdings: Lehrer stark im kritischen Umgang mit digitalen Informationsquellen

Lehrer sind besonders gut in einer anderen wichtigen Fähigkeit für die digitale Wissensgesellschaft: der kritischen Auseinandersetzung mit Online-Inhalten. Zweidrittel (63 Prozent) der befragten Lehrer hinterfragt digitale Lern-Informationen. Bei den sonstigen befragten Arbeitnehmern tut dies nicht einmal die Hälfte (45 Prozent). Wenngleich Lehrer also bei den technischen Kompetenzen zurückliegen, können sie ihren Schülern sicher dabei helfen, Informationen aus dem Internet besser einzuordnen. Gerade in Zeiten der sogenannten Fake News, ist dies von entscheidender Bedeutung.


Über die Studie

Die Lehrerumfrage fand im Rahmen eines von der Vodafone Stiftung geförderten Forschungsprojekts der Hochschule für angewandtes Management zu den Lernerfahrungen von Arbeitnehmern in Deutschland statt. Dabei gaben von April bis Juni 2016 insgesamt 10.532 Arbeitsnehmer aus unterschiedlichen Sektoren und Branchen, darunter 361 Lehrer und Lehramtsstudenten, deutschlandweit in einer Online-Befragung Selbsteinschätzungen (nicht-repräsentativ) zu ihren Lernerfahrungen ab. Details zum Forschungsdesign der Gesamtstudie finden sich in der Publikation „Gebrauchsanweisung für das lebenslange Lernen“, die zum Download bereitsteht.