16. Mai 2024

Ein Neustart für Deutschlands Bildung:
Bündnis aus 94 Organisationen legt Konzept für einen „Bildungsdialog für Deutschland“ vor

Die dringend benötigte Transformation des deutschen Bildungssystems lässt sich nur mit vereinten Kräften von Politik und Zivilgesellschaft angehen. Aus dieser Überzeugung heraus hat die Initiative #NeustartBildungJetzt konkrete Ideen für einen kontinuierlichen und integrativen Dialogprozess vorgelegt. Der „Bildungsdialog für Deutschland“ knüpft unmittelbar an den Appell für einen Nationalen Bildungsgipfel aus dem März 2023 an. Mit dem Vorschlag zur breiten Beteiligung aller Akteure im Bildungswesen, insbesondere aus der Bildungspraxis, soll ein Paradigmenwechsel eingeleitet werden.

Die im vergangenen Jahr gestartete Initiative #NeustartBildungJetzt hat ein Konzept für einen „Bildungsdialog für Deutschland“ vorgestellt. Ziel des Papiers ist es, neue Wege aufzuzeigen, um im Schulterschluss zwischen Politik und Zivilgesellschaft an einer Lösung der massiven Herausforderungen im deutschen Bildungssystem zu arbeiten. Mit 94 Organisationen – darunter Bildungs-, Wohlfahrts-, Eltern- und Fachkräfteverbände, Gewerkschaften, Stiftungen und Bildungsinitiativen – weist die Initiative eine breite gesellschaftliche Unterstützung für das Konzept auf. Entsprechend bemerkenswert ist die Geschlossenheit des Bündnisses: Organisationen mit teilweise sehr unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern und Interessen haben sich über gemeinsame Ziele verständigt und Seite an Seite für den notwendigen Neustart in der Bildung zusammengearbeitet. Ein solcher Schulterschluss wurde lange nicht für möglich gehalten.

Der „Bildungsdialog für Deutschland“ knüpft unmittelbar an den Appell für einen Nationalen Bildungsgipfel aus dem März 2023 an, den das damals noch aus 54 Organisationen bestehende Bündnis an die Politik gerichtet hatte. „Mit dem ‚Bildungsdialog für Deutschland‘ legen wir nun eine konkrete und innovative Idee vor, wie sich die verschiedenen Akteure in unserem Bildungswesen an einen Tisch bringen lassen. Denn die Gestaltungsaufgaben sind so groß und so sehr miteinander verwoben, dass sie sich nicht unabhängig voneinander oder von einzelnen Akteuren allein lösen lassen. Mit dem Konzept reichen wir aus der Zivilgesellschaft heraus der Politik die Hand, um gemeinsam an einer besseren Bildung in unserem Land zu arbeiten“, erklären die Initiator:innen von #NeustartBildungJetzt.

Kooperation als Grundgedanke des Konzepts

Der Grundgedanke des Konzepts ist Kooperation – sowohl zwischen den unterschiedlichen politischen Ebenen und Ressorts, als auch zwischen Politik und Zivilgesellschaft. Die hinter dem „Bildungsdialog für Deutschland“ stehenden Organisationen sind bereit, ihre jeweiligen Kompetenzen und Erfahrungen aktiv in den Reformprozess einzubringen, um die Politik bestmöglich zu unterstützen und ganzheitliche Lösungen zu finden. Diese neuartige Zusammenarbeit von Bildungspraxis, Wissenschaft und Zivilgesellschaft mit der Politik kann nach Ansicht der Initiator:innen die nötige Kraft und Dynamik entfalten, um das Bildungssystem in Gänze zukunftsfest zu machen.

Im Sinne des offenen Charakters verzichtet das Konzept bewusst auf inhaltliche Reformvorschläge, sondern stellt die Gestaltung des Dialogprozesses in den Mittelpunkt. Mit Blick auf die Bildungshoheit der Länder schlagen die Verfasser:innen vor, dass die Bundesländer den Prozess initiieren – zum Beispiel im Rahmen der Ministerpräsidentenkonferenz. Die Steuerung könnte bei den zuständigen Fachministerkonferenzen von Kultusministerkonferenz (KMK) und Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) angesiedelt sein.

„Bildungsdialog für Deutschland“ stärkt auch die Demokratie

Im ersten Schritt des Dialogs müssten sich die Beteiligten auf gemeinsame Handlungsfelder verständigen. Ein Großteil der inhaltlichen Arbeit würde in Fachforen erfolgen, in denen Akteur:innen aus Politik, Kommunen, Verwaltung, Bildungseinrichtungen, Verbänden, Wissenschaft und Gewerkschaften vertreten sind und deren Zusammensetzung je nach Themenfeld variiert. Geeignete Beteiligungsformate begleiten die Arbeit der Fachforen. Über Präsenz- oder Online-Veranstaltungen können auch gesellschaftliche Gruppen ihre Perspektiven einbringen, die sonst eher wenig Gehör finden, allen voran Kinder und Jugendliche. Die Ergebnisse aus den Fachforen werden auf regelmäßigen Spitzentreffen von Politik und Zivilgesellschaft zusammengetragen und zu konkreten Zielen – zum Beispiel politischen Maßnahmen – verdichtet. Für die Steuerung des Dialogprozesses empfiehlt das Bündnis zudem eine professionelle Unterstützungsstruktur, die gemeinsam von Politik und Zivilgesellschaft getragen werden könnte. Wichtig ist in jedem Fall, die Kontinuität des Prozesses über Legislaturperioden hinweg sicherzustellen.

„Der ‚Bildungsdialog für Deutschland‘ löst eine zentrale Herausforderung unseres Bildungssystems: die Kommunikation zwischen Ebenen und Ressorts wird ausgebaut und die Beteiligung der Menschen an der Basis, allen voran die Lehr- und Fachkräfte, Eltern und Kinder gestärkt. In Zeiten der Polarisierung setzen wir damit ein Zeichen für ein Miteinander, schaffen einen Ort der Konsensfindung und fördern Teilhabe und Gemeinsinn. Der Bildungsdialog eröffnet dadurch nicht nur die große Chance auf einen echten Neustart in der Bildung, sondern stärkt zugleich unsere Demokratie“, betonen die Initiator:innen.

Folgende 94 Organisationen zeichnen das Konzept für einen „Bildungsdialog für Deutschland“ mit (Stand 15.5.2024):

AJA Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch
ANGELL Schulstiftung Freiburg
Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen (AGF) e.V.
AWO Bundesverband e.V.
Bertelsmann Stiftung
beWirken gGmbH
Bildungsallianz des Mittelstands
BöfAE e.V. (Bundesarbeitsgemeinschaft öffentlicher und freier Ausbildungsstätten für Erzieherinnen und Erzieher)
Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.
Bund der Freien Waldorfschulen e.V.
Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke e.V.
Bundesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen e.V.
Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit e.V.
Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Ausbildungsstätten für Erzieherinnen und Erzieher
Bundeselternnetzwerk der Migrantenorganisationen für Bildung & Teilhabe (bbt)
Bundesnetzwerk Fortbildung und Beratung in der Frühpädagogik e.V.
Bundesstiftung Baukultur
Bundesverband der Freien Alternativschulen (BFAS)
Bundesverband der Kita- und Schulfördervereine e.V.
Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e.V. (BvLB)
Bundesverband der Träger beruflicher Bildung (Bildungsverband) e.V
Bundesverband evangelischer Ausbildungsstätten für Sozialpädagogik (BeA)
Bundesverband Innovative Bildungsprogramme e.V.
Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder e.V.
Bündnis Ökonomische Bildung Deutschland e.V. (BÖB)
Claussen-Simon-Stiftung
dbb beamtenbund und tarifunion
Deloitte-Stiftung
Der Kinderschutzbund Bundesverband e.V.
Deutsche Kinder- und Jugendstiftung
Deutsche Kinderhilfe – Die ständige Kindervertretung e.V.
Deutsche Telekom Stiftung
Deutscher Caritasverband
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
Deutscher Kitaverband. Bundesverband freier unabhängiger Träger von Kindertagesstätten e.V.
Deutscher Lehrerverband
Deutscher Volkshochschul-Verband e.V.
Deutsches Kinderhilfswerk e.V.
Deutsches Komitee für UNICEF e.V.
Diakonie Deutschland
Didacta Verband e.V.
Die Traum-Schmiede gUG
Dieter Schwarz Stiftung
Dr. Hans Riegel-Stiftung
Elternnetzwerk NRW – Integration miteinander e.V.
Flossbach von Storch Stiftung
FRÖBEL e.V.
Ganztagsschulverband e.V.
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW
GGG – Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule – Verband für Schulen des gemeinsamen Lernens e.V.
Grundschulverband e.V.
Heraeus Bildungsstiftung
Ilse Bagel Stiftung
IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit – Deutschland e.V.
Initiative Familien e.V.
Internationaler Bund e.V.
IZB Initiative Zukunftsbildung gGmbH
Joachim Herz Stiftung
Karg-Stiftung
Katholische Elternschaft Deutschlands e.V. (KED)
Kita-Fachkräfteverband Niedersachsen-Bremen e.V.
komba gewerkschaft
Landesverband Sozialpädagogischer Fachkräfte Berlin e.V.
MENTOR – Die Leselernhelfer Bundesverband e.V.
Montag Stiftung Denkwerkstatt
Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft
Montessori Bundesverband Deutschland e.V.
Montessori Landesverband Berlin-Brandenburg e.V.
National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention e.V.
Reinhard Mohn Stiftung
Robert Bosch Stiftung
Roland Berger Stiftung
Servicestelle Jugendbeteiligung e.V.
Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V.
Stiftung Bildung
Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels
Stiftung Ein Quadratkilometer Bildung gGmbH
Stiftung Kinder forschen
Stiftung Lernen durch Engagement
Stiftung Lesen
ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
Verband Bildung und Erziehung e.V.
Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger e.V.
Verband Deutscher Privatschulverbände e.V. – Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft
Verband für Kitafachkräfte NRW e.V.
Verband Kita Fachkräfte Bayern e.V.
Verband Kita-Fachkräfte Baden-Württemberg
Verband KiTa-Fachkräfte Rheinland-Pfalz
Verband Kita-Fachkräfte Saar e.V.
Verband Sonderpädagogik e.V. (vds)
Vodafone Stiftung Deutschland
VPK – Bundesverband privater Träger der freien Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe e. V.
Wissensfabrik – Unternehmen für Deutschland e.V.
Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V.

Über die Vodafone Stiftung Deutschland

Die digitale Welt aktiv zu gestalten, erfordert neue Kompetenzen. Wir müssen neue Technologien verstehen, Veränderungen kritisch hinterfragen und gemeinsam kreative Lösungen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts schaffen. Deshalb denkt die Vodafone Stiftung Bildung für die digitale Gesellschaft neu. Gemeinsam mit Vorreiter:innen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft forschen wir, engagieren uns in gesellschaftspolitischen Debatten und entwickeln innovative Bildungsangebote. www.vodafone-stiftung.de

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