24. Februar 2023

»Es ist nicht grün genug in den Städten«

Ich treffe Matti in einem Reutlinger Hotel. Er hat seinen kleinen Bruder und seinen Papa dabei. Im Hotel haben wir so eine Art Konferenzraum, immerhin aber mit Tür zum Garten. Die ersten Minuten brauchen wir beide, um warm zu werden, verstehen uns dann aber schnell ganz prächtig. Matti hat lange Haare und wache Augen. Er trinkt Cola, ich Tee.

MATTI (10) aus Reutlingen in Baden-Württemberg
im Gespräch mit TOBIAS KRELL

Tobias Krell alias Checker Tobi ist Moderator der gleichnamigen
KiKA-Sendung, in der er Wissensfragen auf den Grund geht.

TOBIAS KRELL Matti, du bist in der vierten Klasse und hast die Hälfte deiner Schulzeit unter Corona- Bedingungen erlebt. Was hat denn die Corona-Zeit mit deinem Blick auf die Schule so gemacht?

MATTI Wir waren fast nie in der Schule. Ich glaube, wir haben viel weniger Sachen gelernt und es war auch schwieriger. Unsere Schule hat iPads verliehen. Viele Kinder in meiner Klasse haben sich eins geliehen.

Weil sie keins zu Hause haben?

Ja, unsere Schule hat zum Glück genug. In anderen Schulen gab es Kinder, die hatten nichts, um sich in den Online-Unterricht einzuwählen. Das ist blöd und unfair. Denn es wurden auch neue Themen online eingeführt. Wenn du einem Kind das Material hinlegst und sagst »Mach«, dann muss das Kind ja verstehen, was das ist.

Man merkt richtig, wie du ein bisschen wütend wirst, weil das so unfair ist. Warum nervt dich so was?

Weil Schule halt wichtig ist. Das weiß ich jetzt auch schon. Ganz ehrlich, wenn Kinder nicht mitmachen können, haben sie schlechtere Noten, müssen vielleicht eine Klasse wiederholen oder sonst was. Oder sie gehörten eigentlich aufs Gymi, gehen aber auf die Realschule.

Wir wollen ja heute ein bisschen über Themen reden, die dich und auch mich beschäftigen. Wir leben in einer Zeit, in der extrem viele Dinge passieren, die so groß sind, dass sie richtig viele Leute beschäftigen. Kriegst du von solchen »großen« Themen viel mit?

Ich schaue jeden Tag Logo. Einiges kriege ich auch mit durch meine Freunde in der Schule und wenn es große Themen sind, reden wir auch mit unserer Deutschlehrerin darüber. Zum Beispiel beim Ukraine-Krieg.

Werden solche Themen auch auf dem Schulhof besprochen, nur so zwischen euch?

Es werden vielleicht ein paar Nachrichten ausgetauscht.

Bevor wir gleich über diese einzelnen Sachen sprechen: Wie fühlen sich diese großen Themen für dich an?

Der Klimawandel ist blöd, weil wir leben da noch. Die Erwachsenen leben da wahrscheinlich nicht mehr. Aber wir schon.

Und der Ukraine-Krieg ist auch blöd. Ich weiß, wenn Russland Deutschland angreift, müssen sie erst mal durch Polen. Dann wird erst mal Russland angegriffen, weil sie nicht durch Polen dürfen. Aber wenn in Polen gekämpft wird, ist es ja auch blöd.

Jetzt hast du es ja gerade bei zwei Themen schon gesagt, dass echt blöde Dinge auf der Welt passieren. Wie fühlt sich das für dich an, dieses »blöd«?

Es nervt mich. Das mit der Klimakrise weiß man ja nicht erst seit heute. Sondern seit keine Ahnung wie vielen Jahren. Beim Ukraine-Krieg – ja, es werden Waffen geliefert und so. Aber da könnte auch noch ein bisschen mehr getan werden.

Was hältst du denn von den Waffenlieferungen?

Die sind gut. Es gibt ja Menschen, die sagen: »Warum schickt Deutschland seine Waffen weg? Unser Militär ist ja auch nicht gerade stark.« Aber ich finde es gut, weil bei uns gibt es keinen Krieg. Aber da in der Ukraine gibt es Krieg und die brauchen die Waffen mehr als wir.

Ich fand die Begegnung mit Matti in vielerlei Hinsicht besonders. Ich hab in meinem Berufsalltag zwar viel und oft mit Kindern zu tun, aber ich sitze ja doch selten über eine Stunde und länger mit einem Kind zusammen, das ich vorher nicht kenne. Es hat so viel Spaß gemacht, nachzufragen, zuzuhören und mich von Mattis Fantasie, seiner Willensstärke, etwa wenn es um das Klima geht, und von seiner Lust auf und seinem Denken über Kindheit anstecken zu lassen. Eine ganz famose Begegnung!

Tobias Krell

Kannst du mal das Gefühl hinter diesem »Das nervt dich« beschreiben, was in dir drin los ist, wenn dich was nervt?

Wenn mich was nervt, dann denke ich einerseits drüber nach, was man da besser machen kann. Aber ich finde es halt auch ein bisschen blöd. Meistens ist es abends, wenn ich im Bett liege, dann denke ich halt auch noch mal über Themen nach.

Mir geht es oft so, dass ich dann nicht so gut einschlafen kann, weil solche Sachen mich aufwühlen. Wie geht dir das?

Ich kann dann eigentlich ganz gut einschlafen.

Die meisten dieser Dinge, also sowohl die Klimakrise als auch der Krieg, sind ja von Erwachsenen verursacht worden oder verschleppt worden. Bist du deshalb manchmal sauer, oder was macht das mit deinem Gefühl gegenüber Erwachsenen?

Nichts, weil es gibt ja Erwachsene, die können was dafür, und andere können gar nichts dafür. Ich meine, Putin kann was für den Ukraine-Krieg. Selenskyj nicht.

Was könnte man tun, damit das aufhört?

Beim Ukraine-Krieg kann eigentlich niemand was tun außer Putin. Beim Klimawandel müssen eigentlich alle Länder was tun. Die Welt besteht ja nicht aus einem Land, sondern aus mehreren. Manche tun auch was, aber nicht genug. Manche tun gar nichts.

Wie würdest du sagen, wie steht Deutschland so da, wenn es um die Klimakrise geht?

Wenn neue Häuser
gebaut werden,
müsste immer
auch Grün
dabei sein.

Deutschland macht da schon was, aber könnte auch noch mehr machen. Zum Beispiel Grünflächen. Weil es ist nicht grün genug in den Städten. Auf Straßen gibt es Mittelstreifen, die sind meistens mit Schotter zugefüllt, und da könnte man auch Gras anpflanzen. Auf Parkplätzen gibt es ja auch manchmal Streifen, wo man Grün anpflanzen könnte, vielleicht sogar einen Baum. Auf Flachdächern könnte man auch Grün anpflanzen. Und wenn man Bäume irgendwo hinpflanzt, muss man denen auch Platz geben.

Warum brauchen wir mehr Grünflächen?

Erstens: Ameisen und andere Insekten sind sehr nützlich. Die brauchen Grünflächen. Und gibt es die nicht mehr, dann gibt es andere Sachen nicht mehr. Und Bäume speichern CO2 und wandeln das um. Ohne Bäume kriegen wir irgendwann keine Luft mehr.

Das vollständige Interviw mit MATTI lesen Sie hier ab Seite 34/35.

Credit
Pascal Bünning

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