28. Juni 2022

Interview: Hier wird an der Zukunft getüftelt!

Nachhaltige Ideen entwickeln, innovative Maschinen ausprobieren, mit Zukunftsthemen experimentieren: Das GoodLab in Berlin-Kreuzberg steht allen offen, die mit digitalen Tools nachhaltige Ideen und Projekte umsetzen möchten. Initiiert wird der Makerspace vom gemeinnützigen Unternehmen Junge Tüftler*innen. Projektleiterin Caroline Servais über das Angebot der offenen Lern- und Lehrwerkstatt, weitere Pläne und das Feedback der Teilnehmenden.

Was ist das GoodLab?

Unsere Organisation hat diesen Experimentierort mit Werkstatt und Workshopraum im Oktober letzten Jahres in Berlin-Kreuzberg eröffnet. Dieser Freiraum steht allen Interessierten offen. Unsere Kernbotschaft ist, eine bessere Zukunft mit digitalen Tools gestalten zu können. Dafür stellen wir Making Maschinen wie 3-D-Drucker, Laser-Cutter, Plotter oder eine Computergesteuerte CNC-Fräse zur Verfügung. Schulklassen und Lehrkräften bieten wir Workshops, Projektschultage und Fortbildungen an.

Wen wollen Sie erreichen?

Wir möchten Kids und Jugendliche aus dem Kiez für das Thema Nachhaltigkeit begeistern und sie dabei unterschwellig an digitale Bildung heranführen. Gleichzeitig möchten wir Lehrkräfte motivieren und befähigen, unsere Angebote weiterzutragen. Unser GoodLab soll anregen, inspirieren, neugierig machen, keinen Druck ausüben und vor allem auch junge Menschen anlocken, die bisher keinen Zugang zu digitaler Bildung haben. Dafür arbeiten wir mit Bildungsinstitutionen aus unserem Kiez zusammen. Über das Lokale hinaus möchten wir auch andere Orte ansprechen, mit denen wir uns vernetzen, uns austauschen und Materialien zur Verfügung stellen.

STATEMENT

„Wir möchten Kids und Jugendliche aus dem Kiez für das Thema Nachhaltigkeit begeistern und sie dabei unterschwellig an digitale Bildung heranführen.“

Caroline Servais
GoodLab Berlin

Welche Ziele verfolgt das GoodLab?

Wir wollen unseren Freiraum mit nachhaltigen Ideen beleben, die aus diesem Kiez kommen. Unsere Besucher:innen sollen die Möglichkeit erhalten, länger an Projekten arbeiten zu können. Dafür schaffen wir einen Rahmen und leiten sie an. Aber am Ende tüfteln unsere Besucher:innen selbständig und entwickeln eigene Ideen, wie sie digitale Tools einsetzen können, um zu einer besseren und nachhaltigeren Zukunft beizutragen. Uns ist wichtig, dass unsere Teilnehmer:innen ein Verständnis dafür entwickeln, dass sie selber Teil der Lösung sind.

Welche Kompetenzen werden im GoodLab geschult?

In unseren Workshops bauen wir bei den jungen Menschen Know-how im Bereich digitale Bildung auf. Wir vermitteln ihnen das Verständnis für die Grundlogik, die z.B. hinter dem Programmieren steckt. Zusätzlich wird die Problemlösungsfähigkeit der Teilnehmenden gestärkt genau wie die Frustrationstoleranz. Und natürlich Grundlegendes wie Kollaborations- und Kommunikationsfähigkeit. Die Lehrkräfte befähigen wir, unsere Inhalte weiterzugeben und sich zuzutrauen, auch digitale Werkzeuge im Unterricht einzusetzen.

Wie wird das Goodlab angenommen?

Wir haben schon Vertrauen aufgebaut und Besucher:innen erreicht, die jetzt regelmäßig wiederkommen. Auch viele Lehrkräfte sind sehr interessiert und stellen altersmäßig einen bunten Mix dar. Ihre Resonanz ist durchweg positiv. Sie erzählen uns, dass sich ihre Schüler:innen bei den Workshops herausgefordert fühlten, aber jede Menge Spaß hatten und am Ende ein gutes Lernergebnis erzielt wurde. Ein zehnjähriger Junge sagte, er habe zwar noch nie etwas von Nachhaltigkeit gehört, aber das müsse wohl schon sehr wichtig sein. Und er hätte auch nicht vermutet, dass er so viele tolle Sachen können würde. Das hat mir sehr gut gefallen.

STATEMENT

„Aufgrund der gesellschaftlichen Notwendigkeit muss sich Schule wandeln. Außerschulische Lernorte wie das GoodLab können dabei helfen, zukunftsweisende Angebote zu machen, die die Lehrkräfte nicht selbst umsetzen können, nicht nur im Bereich der digitalen Bildung.“

Caroline Servais
GoodLab Berlin

Sind bei den Teilnehmenden Vorkenntnisse erforderlich?

Nein, weder bei den Schüler:innen noch bei den Lehrkräften. Wir setzen die Aufgaben niederschwellig an. Die digitalen Tools sind einfach zu bedienen. Wir stellen aber fest, dass die Kinder und Jugendlichen mit unterschiedlichem digitalen Kenntnisstand zu uns kommen. Viele können nicht im Internet recherchieren oder eine Maus bedienen. Über Programmiergrundkenntnisse verfügen die wenigsten. Auch vom Thema Nachhaltigkeit oder Begriffen wie Klima haben manche noch nichts gehört. Bei den Lehrer:innen dagegen stellen wir fest, dass sie oftmals nicht den Mut haben, digitale Werkzeuge wie Mikrocontroller in ihrem Unterricht einzusetzen oder etwas auszuprobieren, das sie nicht sicher beherrschen.

Woran liegt das?

In den Schulen muss zu viel Wissen in sehr kurzer Zeit vermittelt werden, die Rahmenlehrpläne müssen umgesetzt werden. Für alle anderen Themen und Projekte muss die Freizeit geopfert werden. Diesbezüglich kommt es auf das Interesse und die zeitlichen Möglichkeiten der einzelnen Lehrkraft an.

Mit welchen nachhaltigen Themen wecken Sie das Interesse der Schüler:innen?

Wir fragen sie zum Beispiel, ob sie wissen, wie viel Strom sie verbrauchen, wenn sie x-Stunden im Internet surfen. Auch Klima- und Müllthemen sind echte Klassiker. Wir bauen mit dem 3-D-Drucker ein Avocadoboot, das ist eine Keimhilfe, wodurch wir ihnen den enormen Wasserverbrauch und die Auswirkungen aufs Klima nahebringen. Wichtig ist uns vor allem, dass wir Themen aufgreifen, die nah an der Lebensrealität der Teilnehmenden sind.

Glauben Sie, dass sich die Bildungseinrichtungen wirklich um die Vermittlung von Zukunftsthemen bemühen?

Es gibt immer wieder Leuchttürme und viele engagierte Lehrkräfte, aber das Korsett, in das die Schulen gezwungen werden, ist einfach zu eng. Zwar lässt sich das Thema Nachhaltigkeit leichter in den Unterricht integrieren, aber eine Verknüpfung zur digitalen Bildung ist schwer zu erreichen. Vor allem, wenn es an den Schulen noch nicht einmal Internet gibt, was wir bei unseren Projektschultagen immer wieder feststellen. Unser Kernteam, das aus fünf Mitarbeiter:innen besteht, fragt sich ständig, wie wir unser Programm aufstellen müssen, damit es in das Schulsystem passt.

Was wäre Ihre Vision?

Aufgrund der gesellschaftlichen Notwendigkeit muss sich Schule wandeln. Außerschulische Lernorte wie das GoodLab können dabei helfen, zukunftsweisende Angebote zu machen, die die Lehrkräfte nicht selbst umsetzen können, nicht nur im Bereich der digitalen Bildung. Dafür wäre eine bessere und vor allem langfristige Zusammenarbeit notwendig. Die Schulen müssten durch unsere Angebote eine Entlastung und Bereicherung erfahren und wir bräuchten die Ressourcen, um unsere Angebote regelmäßig durchzuführen. Zwar sprachen während der Corona-Krise alle darüber, dass digitale Bildung unbedingt von Schulen vermittelt werden muss, aber das scheint auch schnell wieder vergessen worden zu sein.

Caroline Servais

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