9. Juni 2020

Studie: Jugend will bewegen

  • Laut einer neuen Studie der Vodafone Stiftung ist es 80 Prozent der jungen Menschen in Deutschland wichtig, Politik beeinflussen zu können
  • Der Ausbau digitaler Beteiligungsformate wird von jungen Menschen befürwortet: So wünschen sich etwa zwei Drittel (66 Prozent), online wählen zu können, etwa drei Viertel (77 Prozent) befürworten Online-Bürgerentscheide
  • Unabhängig von Alter, Geschlecht oder Bildungshintergrund ist die Mehrheit junger Menschen (73 Prozent) aber unzufrieden damit, wie ihre Anliegen von der Politik berücksichtigt werden

Berlin/Düsseldorf. Die Partizipation am politischen Geschehen hat für junge Menschen in Deutschland einen hohen Stellenwert: 80 Prozent von ihnen ist es wichtig, Politik in Deutschland beeinflussen zu können. Den Willen, politisch etwas zu bewegen, setzen junge Menschen dabei auf vielfältige Weise und häufig außerhalb formaler Verfahren um. So hat gut ein Viertel (28 Prozent) der jungen Menschen in den 12 Monaten vor der Umfrage an einer Online-Unterschriftenaktion teilgenommen und jeder Achte (13 Prozent) war auf einer Demonstration wie den „Fridays for Future“-Protesten. Mit den bestehenden politischen Beteiligungsmöglichkeiten sind die Befragten zwar grundsätzlich zufrieden, sie sprechen sich aber für den Ausbau von digitalen Formaten, wie etwa bundesweiten Online-Bürgerentscheiden (77 Prozent), der Möglichkeit online zu wählen (66 Prozent) oder an Wahl- und Parteiprogrammen mitarbeiten zu können (66 Prozent), aus. Darüber hinaus fühlen sich junge Menschen von der Politik nicht ernst genommen: Fast drei Viertel (73 Prozent) von ihnen geben an, unzufrieden oder sogar sehr unzufrieden damit zu sein, wie die Politik Anliegen und Interessen junger Menschen berücksichtigt. Das sind die Ergebnisse einer Befragung 14- bis 24-Jähriger über das Informationsverhalten zu politischen Themen im Auftrag der Vodafone Stiftung.

“Junge Menschen wollen Politik beeinflussen – das ist eine gute Nachricht.“, so Inger Paus, Vorsitzende der Geschäftsführung der Vodafone Stiftung. „Gleichzeitig gelingt es uns bisher nicht, ihre digitale Lebenswirklichkeit in konkrete politische Beteiligungsmöglichkeiten zu übersetzen. Zudem lassen wir die Jugend dort, wo sie sich bereits engagiert, mit Phänomenen wie Desinformation und Hassrede alleine. Beides führt bei jungen Menschen zu Recht zu Frustration und Unzufriedenheit mit der Politik. Dem können wir jetzt vor allem durch zwei Maßnahmen entgegenwirken: Der Stärkung von digitalen Kompetenzen und konkreten Angeboten der digitalen Beteiligung gleichermaßen.”

Das Internet als Ort des politischen Austausches

Der großen Mehrheit junger Menschen ist es nicht nur wichtig, die Politik beeinflussen zu können, sondern auch sich über politische Themen zu informieren (78 Prozent) und darüber zu diskutieren (64 Prozent). Das Internet spielt dabei eine zentrale Rolle. Eine Mehrheit (62 Prozent) beteiligt sich aktiv am öffentlichen Meinungsbildungsprozess, indem sie sich zu politischen Themen online äußern. Die meisten teilen oder liken hierzu Beiträge zu politischen Themen (42 Prozent). Ein Fünftel (20 Prozent) nimmt online Stellung, indem sie politische Posts kommentieren; 7 Prozent verfassen sogar eigene Beiträge. „Das Internet sollte in Deutschland im positiven Sinne stärker als Instrument des politischen Austausches und zur Bildung von politischen Präferenzen etabliert werden“, kommentiert Marcus Spittler vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung die Ergebnisse und ergänzt: „Etablierte Parteien sollten ihre aktive Präsenz im Internet und in sozialen Medien ausbauen und dieses Feld nicht den Rechtspopulisten überlassen.“

Junge Menschen sehen Interessen in der Politik unterrepräsentiert

Drei von vier (73 Prozent) der 14- bis 24-Jährigen sehen die Angelegenheiten und Interessen junger Menschen in der aktuellen Politik nur unzureichend repräsentiert. Gut ein Viertel (28 Prozent) ist sogar sehr unzufrieden darüber, wie die Politik ihre Anliegen und Interessen aufgreift. Diese Kritik durchzieht alle Alters- und Bildungsgruppen und wird gleichermaßen von jungen Frauen wie jungen Männern geäußert.

Obwohl junge Menschen insgesamt politisch sehr aktiv sind, gibt es auch eine größere Gruppe, die kaum Anteil am politischen Leben nimmt. 38 Prozent der Befragten geben an, ihre Meinung zu politischen Themen noch nie online geäußert zu haben. Die Werte sind für Jugendliche (43 Prozent), junge Frauen (41 Prozent) und denen mit einem niedrigen formalen Bildungshintergrund (45 Prozent) noch höher.

Online Beteiligungsformate hoch im Kurs

Mit bestehenden politischen Beteiligungsmöglichkeiten in Deutschland sind junge Menschen mehrheitlich zufrieden. Dennoch sprechen sie sich für den Ausbau von digitalen Beteiligungsformen aus. 85 Prozent halten den Ausbau von Verfahren, in denen Bürgerinnen und Bürger ihre Ideen und Meinungen online in den politischen Prozess einbringen können, für wichtig oder sogar sehr wichtig. 77 Prozent befürworten Online-Bürgerentscheide und knapp zwei Drittel (66 Prozent) die Möglichkeit online zu wählen. Ebenfalls zwei Drittel (66 Prozent) halten es für wichtig, online Wahl- oder Parteiprogramme mitgestalten zu können.

Der Ausbau digitaler Beteiligungsmöglichkeiten könnte aktivierend wirken. Denn bei vergleichbaren analogen und digitalen Verfahren werden die digitalen von jungen Menschen eher genutzt. Ein gutes Viertel hat nach eigenen Angaben in den 12 Monaten vor der Befragung an Online-Unterschriftenaktionen (28 Prozent) oder Online-Petitionen (25 Prozent) teilgenommen, während nur ein Fünftel (20 Prozent) eine vergleichbare Offline-Möglichkeit nutzte.

Methodik

Die Erhebung wurde vom Befragungsinstitut Infratest dimap Gesellschaft für Trend- und Wahlforschung mbH durchgeführt. Die Grundgesamtheit für die Befragung bildeten deutschsprachige junge Menschen im Alter von 14 bis 24 Jahren in Privathaushalten in Deutschland, die das Internet nutzen. Die Erhebung wurde vom 29. Mai bis zum 11. Juni 2019 durchgeführt und als Online-Erhebung (Computer Assisted Web Interviewing = CAWI) angelegt. Insgesamt nahmen 2.149 Jugendliche an der Studie teil, davon 1.100 im Alter von 14 bis 19 Jahren und 1.049 im Alter von 20 bis 24 Jahren.

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