6. Mai 2020

Schule auf Distanz

Die Schulschließungen sowie deren schrittweise Öffnung im Zuge der Corona-Pandemie haben die schulische Arbeit sowie die Notwendigkeit ihrer Digitalisierung mehr denn je in den Fokus des öffentlichen Diskurses gerückt. Dabei wird deutlich, dass Lehrkräften in der derzeitigen Situation eine besondere Verantwortung zukommt: Sie sehen sich großen Herausforderungen gegenübergestellt, können aber auch Chancen, die sich aus der Coronakrise ergeben, nutzen, um Impulse für eine innovative Unterrichtsentwicklung zu setzen.

Doch wie bewegen sich Lehrkräfte durch den neuen Schulalltag? Welche Unterstützung erfahren sie durch Schulleitungen, Behörden, Ministerien oder Kollegen? Fühlen sie sich ausreichend gerüstet, um digitalen Unterricht auch für die perspektivisch wiederkehrenden Phasen der Schulschließungen gewährleisten zu können? Welche Herausforderungen sehen sie für ihre Schülerinnen und Schüler? Zu diesen und vielen weiteren Fragen hat die Vodafone Stiftung Lehrkräfte Grund-, an Förder- und an weiterführenden allgemeinbildenden Schulen in Deutschland befragt. Ihre Antworten bilden das Gesamtergebnis für Deutschland. Die Befragung wurden vom Institut für Demoskopie Allensbach (IfD Allensbach) durchgeführt und enthält Analysen sowie Handlungsempfehlungen für den neuen Schulalltag von Prof. Dr. Eickelmann, Leiterin der deutschen ICILS-Studie, und PD Dr. Kerstin Drossel. Gerade jetzt, wo die Schulen schrittweise wieder geöffnet werden, liefern die Ergebnisse spannende Impulse für die Organisation der nächsten Monate und die langfristigen Digitalisierungsprozesse an Schulen. In Hinblick auf die Ergebnisse sagt Prof. Dr. Eickelmann:

STATEMENT

Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, Schulen und Lehrkräfte in der Pandemie-Zeit zukünftig noch besser zu unterstützen. Deutschland braucht ein bundesländerübergreifendes Gesamtkonzept für den schulischen Bildungsbereich und finanzielle Sofortmaßnahmen, um die Gestaltung von Schule so zu ermöglichen, dass wirklich alle Kinder und Jugendlichen von den schulischen Bildungsangeboten profitieren. Größere Anstrengungen sind in Deutschland vor allem im Bereich des digital gestützten Lernens notwendig.

Prof. Dr. Birgit Eickelmann, Universität Paderborn

Die wichtigsten Ergebnisse

  1. Die Mehrheit der Schulen (66 Prozent) in Deutschland hat kein Gesamtkonzept für die Krisenzeit
    Nur ein Drittel (33 Prozent) der Lehrkräfte findet, dass ihre Schule gut auf die neue Situation vorbereitet war. Ein Viertel (24 Prozent) ist bei der Umsetzung der Unterrichtsinhalte während der Krisenzeit auf sich allein gestellt und wünscht sich mehr Unterstützung von der eigenen Schulleitung (29 Prozent) oder den zuständigen Behörden/Ministerien (38 Prozent). Schulen, die schon vor der Krise erfolgreich digital gearbeitet haben, können im Vergleich effektiver beschulen und erreichen ihre Schülerschaft verlässlicher.
  2. Viele Lehrkräfte erreichen nur einen Teil ihrer Schülerinnen und Schüler
    Der Mehrheit (87 Prozent) der Lehrkräfte ist der Kontakt zu den eigenen Schülerinnen und Schülern wichtig, jedoch gelingt es nur einem guten Drittel (35 Prozent) der Lehrkräfte, diesen Kontakt zu halten.
  3. Lehrerinnen und Lehrer befürchten eine Verschärfung der Bildungsungleichheit
    Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte (51 Prozent) insgesamt und fast zwei Drittel (62 Prozent) der Grundschullehrerinnen und -lehrer befürchten, dass sich bestehende soziale Ungleichheiten durch den Einfluss des Elternhauses verschärfen könnten. Dementsprechend ist ihr Blick in die Zukunft vor allem auf das Ausgleichen von Lücken und Ungleichheiten im Lernstand der Schülerinnen und Schüler gerichtet.

Die Handlungsempfehlungen

  1. Dauerhafte Sicherung der Ausstattung von Schulen sowie aller Schülerinnen und Schüler für das digital gestützte Lernen auch unter dem Aspekt der Chancengerechtigkeit
  2. Nachhaltige Investitionen in zukunftsfähige schulische IT-Infrastrukturen
  3. Schulformbezogene Konzepte und Einbeziehung unterschiedlicher Lernvoraussetzungen
  4. Digitale Lerninhalte für alle Schulformen und Schulstufen
  5. Gelungene Beispiele für die digital gestützte Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen
  6. Qualität und Partizipation
  7. Digitalisierungsbezogene Professionalisierung der Lehrkräfte
  8. Schulleitungsqualifizierung
  9. Schaffung zukunftsfähiger und agilerer Strukturen im Schulbereich

Nähere Informationen zu den Handlungsempfehlungen für längerfristige und nachhaltige Entwicklungen im Schulbereich mit besonderem Schwerpunkt auf zukunftsfähige Digitalisierungsprozesse finden sich in der Studie.

STATEMENT

Die Schulen und Lehrkräfte, die sich bereits vor der Corona-Pandemie digital auf den Weg gemacht haben, kommen gut durch die derzeitige Krise. Doch von flächendeckenden innovativen Unterrichtskonzepten, mit denen wir alle Schülerinnen und Schüler erreichen, sind wir in Deutschland noch weit entfernt. Auch wenn Schulen vereinzelt wieder öffnen, müssen wir die Debatte um die Notwendigkeit von Lehrkräfte-Qualifizierung, die Einführung digitaler Lernplattformen oder die gezielte Unterstützung von Schülerinnen und Schülern aus bedürftigen Familien jetzt erst recht führen.

Inger Paus, Vorsitzende der Geschäftsführung der Vodafone Stiftung

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