13. März 2024

Studie der Vodafone Stiftung: Florian Fabricius im Interview zur transformativen Kraft von KI im Bildungsbereich

Im Rahmen der Studienveröffentlichung „Pioniere des Wandels – Wie Schüler:innen KI im Unterricht nutzen möchten“ äußerte sich Florian Fabricius in einem Interview zur transformativen Kraft von KI im Bildungsbereich sowie zur Bedeutung von Lehrerfortbildungen und der Prüfungsmodernisierung bezüglich fortschreitender Technologien.

Berlin/Düsseldorf. 13. März 2024. Florian Fabricius, der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, spricht im Interview mit der Vodafone Stiftung über die transformative Kraft von Künstlicher Intelligenz im Bildungsbereich. Er betont die unerlässliche Bedeutung einer stetigen Fortbildung aller Lehrkräfte im Hinblick auf die sich schnell entwickelnden Technologien sowie die dringende Notwendigkeit, Prüfungsformate zu modernisieren, um die individuellen Stärken und Fähigkeiten der Lernenden besser zu erfassen und zu fördern.

Dass vollständige Interview mit Herrn Fabricius ist in der Jugendstudie unter www.vodafone-stiftung.de/jugendstudie-kuenstliche-intelligenz/ zu finden.

Auszüge aus dem Interview mit Florian Fabricius und der Vodafone Stiftung

Vodafone Stiftung: Herr Fabricius, Künstliche Intelligenz birgt großes Potenzial, beispielsweise um für mehr Binnendifferenzierung im Unterricht zu sorgen. Allerdings zeigen die Ergebnisse unserer aktuellen Studie auch, dass insbesondere Schüler:innen aus finanziell schwächeren Haushalten dieses Potenzial weniger erkennen als ihre Mitschüler:innen aus Haushalten mit mehr Familieneinkommen. Wie würden Sie dieses Ergebnis einordnen?

Florian Fabricius: Ich sehe das Problem auf zwei Ebenen: Zum einen ist da das Thema Ausstattung – oder besser gesagt: die fehlende Ausstattung. Trotz aller Bemühungen um Digitalisierung an Schulen mangelt es noch immer an der nötigen technischen Hardware.

Zum anderen ist die gute Vermittlung digitaler Kompetenzen entscheidend. Die Fähigkeit, KI sinnvoll zu nutzen, ist oft durch Innovations- und Technologieoffenheit im familiären Umfeld geprägt. Sich damit auseinanderzusetzen ist ein Luxus, den sich nicht alle leisten können. Um diese Lücke zu schließen, braucht es eine Medienkompetenzvermittlung in Schulen, ein flächendeckendes institutionalisiertes Bildungsangebot. Schulische Medienbildung sollte nicht nur das technische Wissen stärken, sondern auch die Innovationsfreude und den kritischen Umgang mit neuen Technologien fördern.

Ich plädiere für eine umfassende Strategie zur Digitalisierung, die allen Schülerinnen und Schülern, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund, gleiche Bildungschancen eröffnet. Es ist entscheidend, dass Medienbildung nicht ausschließlich vom Elternhaus ausgeht, sondern systematisch und institutionalisiert in der Schule vermittelt wird, um eine gerechte Bildung für alle zu gewährleisten.

Vodafone Stiftung: Genau diese Kompetenzvermittlung betrifft ja auch erwachsene Menschen, nämlich die Lehrkräfte! Lehrkräfte sind mit so vielen neuen technologische Entwicklungen – gerade im Bereich der KI – konfrontiert, dass man sich fragt: Wie soll sich eine Lehrkraft in all diesen Bereichen noch fortbilden und dabei motiviert bleiben?

Florian Fabricius: Diese Kluft zwischen dem technologischen Stand der Schülerinnen und Schüler und dem Wissen der Lehrkräfte ist ein ernsthaftes Problem. Es zeigt, dass wir in der Lehrerausbildung und -fortbildung noch viel zu tun haben. Wir brauchen ein durchdachtes Fortbildungsprogramm, das nicht nur bundeseinheitlich ist, sondern auch das lebenslange Lernen von Lehrkräften in den Mittelpunkt stellt. . Wir müssen sicherstellen, dass unsere Lehrkräfte mit dem rasanten technologischen Wandel Schritt halten und unsere Schüler:innen adäquat auf die Zukunft vorbereiten können.

Vodafone Stiftung: Muss denn wirklich jede einzelne Lehrkraft in der Lage sein, KI im Unterricht einzusetzen? Oder sollten sich spezialisierte Lehrkräfte damit befassen?

Florian Fabricius: Es ist essenziell, dass alle Lehrkräfte grundlegende Kenntnisse im Umgang mit digitalen Technologien und KI besitzen. Die Digitalisierung sollte als Querschnittsthema verstanden werden, das sich durch alle Fächer zieht. Während Spezialisierung in bestimmten Bereichen sinnvoll sein kann, ist eine grundlegende digitale Bildung für alle Lehrkräfte unerlässlich. Dies erfordert verpflichtende Fortbildungen, um eine gleichmäßige Verteilung digitaler Kompetenzen zu gewährleisten.

Es geht nicht nur darum, digitale Technologien im Unterricht zu nutzen, sondern auch darum, wie wir Lernerfolge messen und fördern können. Die Automatisierung von Bewertungsprozessen durch KI könnte Lehrkräfte entlasten und eine objektivere, fairere Leistungsmessung ermöglichen. Wichtig ist, dass wir dabei die Bedürfnisse und das Wohlbefinden der Schüler:innen nicht aus den Augen verlieren und eine Bildung fördern, die allen zugutekommt.

Florian Fabricius
Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz

Vodafone Stiftung: Lehrkräfte spielen eine zentrale Rolle bei der Gestaltung von Prüfungsformaten, die sich im Kontext von Digitalisierung und KI unweigerlich wandeln müssen. Unsere Studie zeigt, dass Jugendliche sich neue Prüfungsformate wünschen, die stärker auf Anwendungskompetenzen und Problemlösefähigkeiten abzielen. Wie stehen Sie zu dieser Entwicklung?

Florian Fabricius: Ganz klar, hier müssen wir ansetzen. Die Forderung nach einem Wandel hin zu Prüfungen, die Anwendungskompetenzen und Problemlösefähigkeiten testen, statt reines Faktenwissen abzufragen, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Der Trend weg von inhaltlich fokussierten Lehrplänen hin zu Kompetenzvermittlung muss intensiviert werden. Insbesondere die Integration von KI bietet hier neue Möglichkeiten, die wir nutzen sollten, um den Unterricht und die Bewertungsmethoden zu revolutionieren.

Vodafone Stiftung: Wie könnten diese neuen Prüfungsformate konkret aussehen?

Florian Fabricius: Es geht darum, Prüfungen zu entwickeln, die das widerspiegeln, was im realen Leben und in der Arbeitswelt gefordert ist: die Fähigkeit, erworbenes Wissen anzuwenden und Probleme zu lösen. Dies könnte durch digitale Prüfungen unterstützt werden, die adaptiv sind und sich den Fähigkeiten der Prüflinge anpassen. Open-Book-Prüfungen sind ein gutes Beispiel, wie man Wissen in der heutigen Zeit sinnvoll abfragen kann.

Vodafone Stiftung: Welche Herausforderungen sehen Sie dabei?

Florian Fabricius: Die größte Herausforderung liegt in der Entwicklung solcher Prüfungsformate, die einerseits gerecht und andererseits effektiv in der Kompetenzmessung sind.. Wir müssen sicherstellen, dass die Technologie uns dabei unterstützt, echte Kompetenzen zu messen, ohne dabei die Leistungen der Schüler:innen zu verzerren.

Vodafone Stiftung: Glauben Sie, dass die aktuellen politischen Maßnahmen ausreichen, um diesen Wandel zu unterstützen?

Florian Fabricius: Leider nein. Die Bildungspolitik hinkt den technologischen Entwicklungen und den Bedürfnissen der Schüler:innen hinterher. Es bedarf eines größeren Engagements, um den digitalen Wandel in den Schulen voranzutreiben. Neben politischen Bemühungen braucht es auch Initiativen auf schulischer und zivilgesellschaftlicher Ebene, um innovative Konzepte zu erproben und zu implementieren.

Vodafone Stiftung: Gibt es noch einen weiteren Aspekt, den Sie hervorheben möchten?

Florian Fabricius: Abschließend möchte ich betonen, dass KI ein großes Potenzial für die datengestützte Schulentwicklung bietet. Es geht nicht nur darum, digitale Technologien im Unterricht zu nutzen, sondern auch darum, wie wir Lernerfolge messen und fördern können. Die Automatisierung von Bewertungsprozessen durch KI könnte Lehrkräfte entlasten und eine objektivere, fairere Leistungsmessung ermöglichen. Wichtig ist, dass wir dabei die Bedürfnisse und das Wohlbefinden der Schüler:innen nicht aus den Augen verlieren und eine Bildung fördern, die allen zugutekommt.

Über die Vodafone Stiftung Deutschland 

Die digitale Welt aktiv zu gestalten, erfordert neue Kompetenzen. Wir müssen neue Technologien verstehen, Veränderungen kritisch hinterfragen und gemeinsam kreative Lösungen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts schaffen. Deshalb denkt die Vodafone Stiftung Bildung für die digitale Gesellschaft neu. Gemeinsam mit Vorreiter:innen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft forschen wir, engagieren uns in gesellschaftspolitischen Debatten und entwickeln innovative Bildungsangebote. www.vodafone-stiftung.de 

Die Stiftung ist Teil eines Bündnisses von über 120 Organisationen und Institutionen, die in einem gemeinsamen Appell den Bundeskanzler und die Regierungschef:innen der Länder aufrufen, mit einem Nationalen Bildungsgipfel einen grundlegenden Reformprozess im Bildungswesen einzuleiten. Die Initiative nutzt den Hashtag #NeustartBildungJetzt, der Appell und die Liste der Unterstützer:innen sind unter www.neustart-bildung-jetzt.de zu finden. 

Credit
n.n.

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