2. September 2020

Die Demokratie-Detektive

Während die Sozialen Medien und private Chatgruppen durchaus zur Information zu und Diskussion von politischen Themen genutzt werden, sind sie häufig auch ein Verbreitungsort für Fake News. „Klickwinkel – Weite Deinen digitalen Blick“ unterstützt junge Menschen, sich in ihrer digitalen Welt zurecht zu finden und zu kritischen, souveränen und mündigen Bürgerinnen und Bürger zu werden.

Es folgt ein Ausschnitt des Tätigkeitsberichts der Vodafone Stiftung für das Jahr 2019.

Wir sind jung und brauchen die Welt, lautet der Slogan einer der 155 Fridays-for-Future-Organisationen in Deutschland. Zur Planung ihrer Demonstrationen für mehr Klimaschutz organisieren sich die jungen Teilnehmenden über soziale Medien. Die Always-on-Generation nutzt die Reichweite und Schnelligkeit des Internets, um sich politisch zu engagieren, sich zu vernetzen, sich mit Freunden und Familie auszutauschen oder sich über politische Themen zu informieren.

Besonders die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die im Durchschnitt mehrere Stunden pro Tag im Internet surfen und über lange Zeiträume in sozialen Medien aktiv sind, werden mit einer Flut von Nachrichten und Kommentaren konfrontiert. Doch können sie tatsächlich auch Fakten von Falschmeldungen unterscheiden? Konsumieren sie Informationen nur oberflächlich oder sind sie wirklich an politischen Themen interessiert? Wie gehen sie mit Hasskommentaren um? Fallen sie auf bloße Meinungsmache herein?

Diesen und anderen Fragen widmet sich die Initiative Klickwinkel, die im Juni 2018 von der Vodafone Stiftung ins Leben gerufen wurde. Mit den Projekten und Lernmaterialien der Initiative werden junge Menschen in ihrer Medienkompetenz und demokratischen Meinungsbildung gestärkt. Sie lernen, wie sie zwischen Fake News, falschen Behauptungen und Fakten unterscheiden können und warum es so wichtig ist, Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus zu betrachten, bevor man sich eine Meinung bildet und diese dann im Netz postet.

Im Mittelpunkt der Lernangebote stehen neben Unterrichts- und Schulungsmaterialien ein jährlich stattfindender Videowettbewerb, daneben die Video-Tutorials, die zeigen, wie man falsche Informationen erkennen kann. Zudem organisiert die Initiative regelmäßig Veranstaltungen mit unterschiedlichen Formaten für den Dialog zwischen Jugendlichen und politischen Entscheidungsträgern. Ein Beispiel hierfür ist die Digitale Jugendpressekonferenz, die im Oktober 2018 mit Schülerinnen und Schülern sowie Europa- und Bundespolitikern in Berlin stattfand.

Interessiert und aufgeklärt

Und genau den Dialog auf Augenhöhe mit der Politik vermissen viele junge Menschen. Das ergab die Studie „Alles auf dem Schirm“, die im Auftrag der Initiative Klickwinkel erstellt wurde. Zusammengefasst machen die Untersuchungen des Informationsverhaltens der Jugendlichen Mut. Denn sie bestätigen, wie souverän und aufgeklärt sich viele junge Menschen in Deutschland durch den politischen Nachrichtendschungel bewegen. Rund 36 Prozent informieren sich nach eigenen Angaben täglich über Politik und signalisieren großes Interesse an unterschiedlichen Themen wie Klimaschutz oder Brexit. Junge Menschen legen zudem ein bewusstes Medienverhalten an den Tag. Sie wählen ihre Informationsquellen themenspezifisch aus und besitzen eine gesunde Skepsis gegenüber politischen Informationen in den sozialen Medien. Aber es existiert auch eine größere Gruppe junger Menschen, die sich nicht für politisches Geschehen interessiert. In Zahlen: Rund 15 Prozent informiert sich seltener als einmal im Monat über politische Themen.

Um das Potenzial der jungen Generation nicht zu verschenken und ihr Interesse an gesellschaftspolitischen Themen und ihren sachlichen Blick darauf zu vertiefen, hat sich der Videowettbewerb der Klickwinkel-Initiative bewährt.

STATEMENT

„Der Wettbewerb ist mehr als eine Preisverleihung. Hier geht es um Wissenstransfer. Ich fand es toll, dass es für alle Teilnehmer noch Workshops in Berlin gab. Mein Apell an die Schülerinnen und Schüler: Interessiert euch! Seid nicht nur Konsumenten, sondern fangt an, Smartphone und Rechner wirklich zu nutzen und euren eigenen Blickwinkel zu finden.“

Daniel Budiman, Jurymitglied und Gründer von Rocket Beans TV

Fakten recherchieren

„Nach der Auswertung unseres ersten Videowettbewerbs waren wir von der Themenvielfalt begeistert, mit der sich Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren bei uns beworben haben“, sagt Lars Thies, Projektkoordinator der Initiative „Klickwinkel – Weite Deinen digitalen Blick.“

Von Bienensterben und Meeresverschmutzung, schlecht ausgebauten Radwegen bis hin zur Zerstörung einer Wohnsiedlung – mehr als 200 Schülerinnen und Schüler haben sich mit Themen aus ihrem unmittelbaren Umfeld auseinandergesetzt, haben recherchiert, nachgefragt, gefilmt, Material geschnitten. Insgesamt wurden 60 Videos für den Klickwinkel-Wettbewerb produziert und eingereicht. „Es kann gar nicht genug junge Stimmen und Projekte geben, die Debatten auslösen und uns helfen, uns eine Meinung zu bilden. Deshalb unterstütze ich Klickwinkel“, sagt Eva Schulz, Journalistin („Deutschland3000“) und Jurymitglied.

Es gab nur Gewinner

Am Ende wurden Preise in vier Kategorien verliehen. „Man hat viele Erfahrungen mitgenommen, zum Beispiel, wie man Interviews führt“, berichtete Schülerin Ida nach der Preisverleihung.

Als besonders hilfreich stuften die Teilnehmenden das Schulungsmaterial sowie die Videoanleitungen ein, die vorab von der Initiative gestellt wurden. „Die Lernvideos waren super, besonders die ‚10 Regeln‘ für gute Videos und die Unterlagen zu Interviews“, urteilte Monika Seibert. Die Studienrätin der Beruflichen Schulen Groß-Gerau hatte mit ihrem Schülerteam ein Videoprojekt in einem achtstündigen Workshop sowie drei Doppelstunden hergestellt. Und Andreas Haupt, Uniabsolvent und Fellow der Bildungsinitiative Teach First Deutschland, beobachtete: „Die Schülerinnen und Schüler sind durch das Videoprojekt deutlich eigenständiger geworden. Solche Eigenständigkeit habe ich bei ihnen zuvor nicht gesehen.“

215 Schülerinnen und Schüler aus 26 Schulen in neun Bundesländern nahmen 2018 am Wettbewerb teil. Sie haben in vier Monaten rund 158 Personen für ihre Beiträge befragt. 2019 wurden die Schulungen für Lehrkräfte zu den Themen Desinformation und mobiles Reporting ausgebaut. Dadurch konnte die Beteiligung vonseiten der Schülerinnen und Schüler am Wettbewerb deutlich gesteigert werden.

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