23. September 2020

Jugend bewegt

Eine Studie der Vodafone Stiftung zeigt: Junge Menschen in Deutschland wollen am politischen Geschehen partizipieren und so ihre Meinungen und Anliegen einbringen. Aber wie? Die Frage nach geeigneten Beteiligungsformaten ist in Zeiten einer globalen Pandemie relevanter denn je. Ein innovatives Debattenformat bietet Klickwinkel – im vorletzten Jahr hat die Initiative die digitale Jugendpressekonferenz ins Leben gerufen, bei der Jugendliche und PolitikerInnen vor allem eins getan haben: auf Augenhöhe diskutiert.

Es folgt ein Auszug des Tätigkeitsberichts der Vodafone Stiftung für das Jahr 2019.

Das Blockieren von Kontakten, die beleidigende oder sogar bedrohende Nachrichten schicken, habe ich von den Piraten gelernt“, erzählte Dorothee Bär. Die Staatsministerin stellte sich anlässlich der 1. Digitalen Jugendpressekonferenz gemeinsam mit der Grünen-Europaabgeordneten Terry Reintke, dem SPD-Bundestagsabgeordneten Falko Mohrs und der Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen, Ria Schröder, den Fragen von rund 30 Berliner Schülerinnen und Schülern. Über den Livestream hatten sich weitere junge Menschen aus ganz Deutschland zugeschaltet. Sie schickten ihre Fragen per Live-Chat.

Im Mittelpunkt der einstündigen Diskussionsrunde standen die Ergebnisse der von der Vodafone Stiftung in Auftrag gegebenen Studie „Engagiert, aber allein”. Diese untersuchte, wie souverän und kritisch sich junge Menschen im Netz bewegen und wie sie auf Hasskommentare und Falschinformationen reagieren.

STATEMENT

Hasskommentare und der Umgang damit sind ein großes Thema bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Insbesondere wenn Hasskommentare anonym erfolgen, ist das besonders feige und schändlich. Hier müssen wir die jungen Menschen stark machen, über den Umgang mit solchen Kommentaren mehr sprechen und ihnen vor Augen führen: Der Hasskommentar sagt mehr aus über seinen Autor als über die Person, die damit kommentiert wird.

Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung

Fake News gehören zum Alltag der jungen Generation

Zu den wichtigsten Erkenntnissen der Studie zählt, dass Fake News und Hasskommentare zum Alltag von jungen Menschen gehören, da 93 Prozent von ihnen regelmäßig in sozialen Medien aktiv sind. Erfreulicherweise gibt knapp die Hälfte der Befragten an, aktiv gegen Falschmeldungen oder Hasskommentare vorzugehen, die über ihre Freunde verbreitet würden. Dorothee Bär empfahl den jungen Diskussionsteilnehmenden, konsequent Kontakte zu blockieren, die beleidigende oder bedrohende Nachrichten versenden.

Falschnachrichten verunsichern

Was gesellschaftspolitische Fake News angeht, berichteten über die Hälfte der Befragten, dass sie mindestens einmal pro Woche auf Falschnachrichten stoßen. Allerdings sind sich 32 Prozent von ihnen bei der Identifizierung von Fake News nicht sicher. Deshalb bekräftigte Falko Mohrs in der Diskussion: „Es ist unglaublich wichtig, den richtigen Umgang mit Fake News auf die Stundenpläne zu setzen.“

STATEMENT

Der richtige Umgang mit sozialen Medien gehört auf jeden Stundenplan. Laut Studie sehen zwei Drittel der Befragten den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland durch Fake News gefährdet. Dem können wir sehr gut durch Präventionsmaßnahmen in der Schule entgegenwirken.

Falko Mohrs, MdB

 

Soziale Medien sind für mich als Politikerin eine wichtige Möglichkeit, Menschen direkt in ihrer Wirklichkeit und ihrem Alltag anzusprechen, über meine Arbeit zu informieren und für meine politischen Positionen zu werben. Aus der Studie nehme ich mit, dass die jungen Menschen in Deutschland die sozialen Medien sehr kompetent und verantwortlich benutzen. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Medienkompetenz und der Umgang mit sozialen Medien in Schulen häufig immer noch stiefmütterlich behandelt werden. Das muss sich ändern.

Terry Reintke, MdEP

Jugend fordert mehr digitale Bildung

Aber auch zum Thema digitale Bildung hatten die Schülerinnen und Schüler Fragen. „Warum müssen wir in der Schule noch mit Büchern arbeiten statt mit Tablets, wo im Alltag sonst alles modernisiert wird?“, wollte ein Schüler wissen. Andere forderten die Politik auf, endlich die angekündigte Finanzierung der Ausstattung von Schulen durch den Digitalpakt umzusetzen.

Terry Reintke, Mitglied des Europäischen Parlaments und Grünen-Politikerin untermauerte die Forderungen der jungen Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer. „Junge Menschen wünschen sich einen kritischeren Umgang mit sozialen Medien und der Digitalisierung. Die Politik ist gefragt, diesen Diskurs zu führen und sich die Anliegen der jungen Menschen anzuhören und diese in gute Politik umzumünzen.“

Wie wichtig es ist, seinen Blickwinkel zu schärfen und sich auch die Argumente Andersdenkender anzuhören, erläuterte Ria Schröder, Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen: „Selbstverständlich folge ich auch Leuten auf Social Media, die eine andere Meinung haben als ich. Es ist wichtig, dass man miteinander in die Diskussion geht, sonst landet man in einer Filterblase.“

STATEMENT

Junge Menschen können mehr, als ältere Generationen ihnen zutrauen. Das zeigt auch das Ergebnis der Studie, nach der Jugendliche souverän mit sozialen Medien umgehen, ihre Mediennutzung gleichzeitig aber kritisch reflektieren. Ich finde, auch die Politik muss jungen Menschen mehr zutrauen. Sie wissen ganz genau, wo die Regierung etwa bei Digitalisierung und in der Bildungspolitik verschlafen hat. Es würde Deutschland guttun, wenn verstärkt junge Menschen das ewige ‚Das haben wir schon immer so gemacht‘ infrage stellen. Die ‚Digitale Jugendpressekonferenz‘ verschafft jungen Menschen Gehör und leistet dadurch einen wertvollen Beitrag.

Ria Schröder, Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen

Junge Menschen als aktive Gestalter

Am Ende des Diskurses brachte Camilla Bock vom Berliner Canasius-Kolleg die Atmosphäre der Veranstaltung auf den Punkt: „Wir hatten eine hochinteressante Diskussion. Es hat mich gefreut, in persönlichen Kontakt mit den wichtigen Podiumsgästen zu treten und Fragen zu stellen.“ Die Gymnasiastin weiter: „Ich habe gemerkt, das ganze Publikum hat darauf gewartet, Fragen stellen zu können. Wir haben diskutiert, wo für uns die Möglichkeiten liegen, uns aktiv einzubringen und auf welchen Ebenen politisch etwas entschieden werden muss, damit der Fortschritt im Bereich Digitalisierung uns endlich in den Schulen erreicht.“

Für die Initiative Klickwinkel gute Gründe, um den jungen Menschen auch weiterhin Möglichkeiten zu eröffnen, sich in Gesprächsrunden mit Politikerinnen und Politikern zu treffen und sie dabei zu unterstützen, zu aktiven Gestaltern einer digitalen Öffentlichkeit zu werden.

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